Wien, 27. Januar 2012: Akademikerball

Wien, 27. Januar 2012: In der noblen Hofburg feiern österreichische Studentenverbindungen zum 59. Mal den Wiener Korporationsball. Es ist eine prunkvolle Veranstaltung mit honorigen Gästen: Die Burschenschaften, die das Event ausrichten, sind in Österreich fest im Establishment verankert. Allerdings haben sie auch eine klare politische Orientierung: Sie sind deutschnational, was in Österreich aus historischen Gründen eine deutlich weiter reichende Bedeutung hat als in der Deutschland. Parteipolitisch stehen viele von ihnen der FPÖ nahe; eine ganze Reihe Burschenschafter besetzt Führungspositionen in ihr, darunter Parteichef Heinz-Christian Strache (Wiener pennale Burschenschaft Vandalia) und der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (Wiener akademische Burschenschaft Olympia). Strache und Graf sind zum Korporationsball ebenso gekommen wie zahlreiche Gäste aus dem Ausland. Burschenschafter aus Deutschland schwingen das Tanzbein, aber auch Marine Le Pen vom französischen Front National, Kent Ekeroth von den ultrarechten Schwedendemokraten und Philip Claeys vom rassistischen nordbelgischen Vlaams Belang haben die weite Anreise nicht gescheut. Wieder einmal ermöglicht es der Wiener Korporationsball einigen prominenten Führungsfiguren der extremen Rechten in Europa, sich zu informellen Gesprächen und zum lockeren, aber wichtigen Austausch am Rande der Tanzfläche zu treffen.
Der Wiener Korporationsball 2012 ist formell der letzte seiner Art gewesen. Proteste haben die Hofburg veranlasst, ihre Räumlichkeiten den Wiener Studentenverbindungen nicht mehr zu vermieten. Allerdings ist 2013 die FPÖ als Veranstalterin an ihre Stelle getreten und führt das Event als Wiener Akademikerball fort. Dennoch: Die parteipolitische Festlegung auf die FPÖ, vor allem aber die kontinuierlich fortgesetzten Proteste haben die Veranstaltung schrumpfen lassen. Sie hat vor allem für die äußerste Rechte aus anderen EU-Staaten ihren Reiz eingebüßt - ein Beispiel dafür, dass Proteste durchaus etwas bewirken können.